Dörp un Lü, Seite 7


Der <Klempbusch> wird 50

Die Bewohner feiern im August ein Straßenfest

Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurde Edewecht fast völlig zerstört. Es gab hohe Verluste an Menschenleben, zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser wurden ruiniert und auch alte Baumbestände in den Außengebieten von Edewecht fielen den Bomben zum Opfer. Stark betroffen war auch das Gebiet „Klempbusch“. In den Folgejahren fehlte es überall an Wohnraum und so wurde das Waldstück, wo nur noch die Stubben übrig blieben, als Kleinsiedlung ausgeschrieben. 1955 wurden Grundstücke gekauft und zeitgleich erstellte die Baufirma Gerhard Brüntjen 3 Rohbauten. Die Familien Mielke, Garbe und Jeddeloh gehörten zu den ersten Bauherren, die sich in diesem Sandweg an siedelten. 1 Jahr später baute die Familie Doege und Jahre danach erweiterten die Familien Holsten und Brumund den Alt-Bestand durch einen Neubau. Weitere Jahre später ergänzte Helmut Doege mit einem Neubau und einer Gärtnerei das Straßenbild. Am Anfang kosteten die Grundstücke 2,-- DM pro qm, aber es gab keine Abwasserbeseitigung und den Brunnen musste man sich auch selbst bohren. Nur durch große Eigenleistungen konnten die Neuansiedler sich diese Häuser leisten. Geld war knapp und bei einem Wochenlohn von 25,-- DM fiel es auch schwer, die Handwerker zu bezahlen, die damals die Arbeit nur aufnahmen, wenn aus-reichend Schnaps und Bier im Schuppen  vorhanden war, berichtet Walter Jeddeloh mit einem Schmunzeln.
Das frühere Wahrzeichen am Klempbusch Richtfest am Klempbusch

Durch Improvisation, handwerkliches Geschick, nachbarschaftliche Hilfe und unter enormen Anstrengungen wurden die Häuser erstellt und bis heute immer wieder erweitert, umgebaut und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Selbst die knappe Freizeit wurde ebenfalls "kosten-günstig" genutzt. So baute Walter Jeddeloh 1975 eine Windmühle, um Energie zu erzeugen.

Nach Fertigstellung wurde die Mühle zur großen Attraktion in der Straße für viele Besucher. 5 Jahre später  installierte er seine selbstgebauten Sonnenkollektoren, die noch heute reibungslos funktionieren.

Auf kleine und große Feiern hat man in all den Jahren aber nicht verzichtet. So werden die "runden" Geburtstage mit den Nachbarn gefeiert und Sylvester geht jeder Bewohner von Haus zu Haus und man  verabschiedet sich gemeinsam vom alten Jahr. Jetzt laufen bereits die Vorbereitungen für die 50-Jahr-Feier. Auch wenn es in den vergangenen Jahren viele Veränderungen in der kleinen Sackgasse gab - die Hausbesitzer wechselten, die Katze und der Wellensittich ersetzten das Schwein und das Huhn, aus dem Sandweg wurde eine Teerstraße mit Abwasserkanal - so wird im August immer noch gemeinsam gefeiert und über die "guten", alten Zeiten geschnackt.

Karl-Heinz Iwan