Dörp un Lü, Seite 6


Geschichte(n) aus Scheps!

Teil 1

Im Januar 2005 trafen sich auf Anregung von Hinrich Bischof die Altersgruppe der Feuerwehr Scheps und drei Vertreter des Ortsbürgervereins im Feuerwehrgerätehaus. Anlass war die Idee, einmal mit älteren Schepsern zu sprechen, und deren Erzählungen über das Leben in Scheps vor 50 und mehr Jahren zu dokumentieren, und für die Nachwelt festzuhalten.
Sehr schnell begannen die Erzählungen über die Zeit von 1930 bis 1940 und die eigentliche Kriegszeit bis 1945. In Scheps gab es zu der Zeit überwiegend Bauern, die mit ihren Familien sowie den Mägden und Knechten die sog. „Hüerlü“ die Höfe bewirtschafteten. Der Boden war teilweise karg und warf in Ermangelung von Kunstdünger, den es damals hier kaum gab, nur wenig ab. Eine andere Einnahmequelle gab es auf dem Lande kaum. In diesen Jahren sahen sich auch verschieden Familien gezwungen, auszuwandern. Auffällig war in jener Zeit, das es sehr viele kleine Geschäfte sog. „Höker“ gab. Die Betreiber versuchten durch den Verkauf der alltäglich zum Leben notwendigen Dinge, ein kleines Zubrot für ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Natürlich gab es einen Schmied, einen Drechsler, Fassmacher, Schneider und sonstige Handwerker im Ort, aber industrielle Betriebe gab es hier nicht. Die Bevölkerung war zum großen Teil arm.
Es verwundert daher nicht, daß der neu aufkommende Nationalsozialismus auch hier bei uns auf teilweise fruchtbaren Boden fiel. Innerhalb kürzester Zeit konnte sich die Partei hier breit machen, und es gab auch einen Ortsgruppenführer.
Bis zum Kriegsbeginn 1938 war für die Bevölkerung auch eine Verbesserung der Lebenssituation zu spüren. Mit dem Kriegsbeginn änderte sich vieles für die Menschen. Viele Knechte wurden Soldaten und die Mägde wurden später ebenfalls zum Dienst verpflichtet. Die Bauern mit ihren Familien waren gezwungen, die Höfe allein zu bewirtschaften. Mit dem Angriff auf Frankreich und Rußland kamen viele Kriegsgefangene nach Deutschland. Sie wurden als Knechtersatz den Bauern zugeteilt und mußten hart arbeiten. Es gab ca. 30 Gefangene in Scheps. Sie arbeiteten tagsüber bei den hiesigen Bauern. Die Nächte verbrachten sie in einem Gefängnis, das zu jener Zeit bei der Gastwirtschaft Oltmer (Süsen) in der Scheune eingerichtet war. Manche Gefangene wurden sehr schlecht behandelt. Wer zu fliehen versuchte, wurde von der Militärpolizei ohne Vorwarnung erschossen. Es gab aber auch Fälle, wo die Gefangenen fast zur Familie des Bauern gehörten. Einige wenige sind sogar nach dem Krieg zu Besuchen zurückgekehrt, und es wurden sogar Freundschaften geschlossen. Mit der Fortdauer des Krieges zeichnete sich auch für viele Schepser ab, dass dieser nicht zu gewinnen war. Immer mehr Familien erhielten Todesnachrichten, schwer verwundete Soldaten kamen zurück und berichteten Grausames von der Front. Die Bevölkerung musste immer mehr für den „Endsieg“ opfern. Fleisch, Getreide und andere Dinge des Lebens wurden beschlagnahmt und an die Front geschafft. Die Armut kehrte zurück.
Nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg und der Bombardierung der großen deutschen Städte, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch der Krieg direkt nach Scheps kommen sollte. Die täglichen Berichte im damals allgegenwärtigem Rundfunkempfänger der sog. „Goebbelsschnauze“ verhießen nichts Gutes. Am 17. April 1945 erfolgte der Angriff der kanadischen Truppen am Küstenkanal in Edewechterdamm, um hier einen Brückenkopf zu errichten und den Vormarsch in Richtung Edewecht, Bad Zwischenahn und Oldenburg fortzusetzen. Die deutschen Truppen leisteten erbitterten Widerstand. Fast einhundert Tote hatte dieser sinnlose Widerstand zur Folge und führte zu Racheaktionen der sich langsam vorwärts kämpfenden Kanadier. Die Schepser und Edewechter bekamen diese Rache in den nächsten Tagen zu spüren.
Reihe wird fortgesetzt.  

Adolf Klöver